Mittwoch, 24. Juni 2026

Buchrezension: Sturm über Christiansø (Band 4) von Michael Kobr

Sturm über Christiansø
 
Infos zum Buch:
unbezahlte Werbung / Rezensionsexemplar
Verlag: Goldmann Verlag
Titel: Sturm über Christiansø
Autor: Michael Kobr
Erscheinungsjahr: 10. Juni 2026
Seitenzahl: 400 Seiten
ISBN: 978-3-442-30239-0
Cover: gebundene Ausgabe
Preis: 25,00 Euro
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Reihenfolge der Kommissar Lennart Ipsen-Reihe:
 
Klappentext:
Über Bornholm türmen sich dunkle Wolken: ein großes Technologieprojekt erschüttert den Inselfrieden. Und eine leidenschaftliche Umweltschützerin verschwindet spurlos…
Mitten in der Ostsee, unweit der dänischen Sonneninsel Bornholm, liegen die kleinen Erbseninseln. Ein paar Dutzend Einwohner, viel Natur und malerische Fischerkaten: das perfekte Idyll. Bis die junge Umweltaktivistin Anna unter mysteriösen Umständen verschwindet. Besteht ein Zusammenhang mit ihrem erbitterten Kampf gegen einen großen Windpark vor der Küste? Lennart Ipsen, Leiter der Bornholmer Kripo, nimmt das Postschiff, um im winzigen Christiansø erste Ermittlungen anzustellen. Doch ein heftiger Sturm zieht auf, Lennart sitzt fest. Und muss, während der Wind die Inseln umtost, feststellen, dass auch dieser scheinbar so verwunschene Ort nicht von den Herausforderungen der modernen Zeit verschont geblieben ist -  und Neid, Hass und Habgier ihren festen Platz haben…
 
Inhaltsangabe:
Bornholm, Samstag der 11. Oktober. Für Kommissar Lennart Ipsen soll es ein ganz besonderer Abend werden. Nachdem er vor über einem Jahr nach seiner Scheidung und einem Burnout auf die dänische Ostseeinsel Bornholm gezogen ist, möchte er endlich seine neue Wohnung im Industriehafen Rønne einweihen. Zu den Gästen zählen seine beiden Kolleginnen Tao Nguyen und Britta Blomdal mit ihrem Mann Mats Lund, sowie Lennarts Vorgänger, Morten Nygaard und dessen Frau. 
Doch die Einstandsfeier wird durch einen unerwarteten Anruf jäh unterbrochen. Inge Steenberg meldet ihre Tochter Anna als vermisst. Seit über einem Tag kann sie die Mittzwanzigerin weder telefonisch noch persönlich erreichen. 
Schnell sorgt das Verschwinden der 26-jährigen für Aufsehen, denn Anna Steenberg ist eine bekannte Klimaschutzaktivistin mit einer großen Reichweite auf ihren Social-Media-Plattformen. 
Inzwischen gilt Bornholm als Vorzeigeprojekt der europäischen Energiewende und wurde sogar zur „Energieinsel“ erklärt, da rund um das Eiland mehrere riesige Offshore-Windparkanlagen gebaut wurden. Während einige Bewohner stolz auf diese Entwicklung sind, gehört Anna zu den Kritikern dieses Projekts. Gemeinsam mit anderen Vogel- und Naturschützern warnt sie vor den Folgen für die Zugvögel, da deren herkömmliche Flugrouten durch die Windräder beeinträchtigt werden. Zusätzlich prangert sie regelmäßig kleinere Vergehen von Inselbewohnern öffentlich auf ihren Accounts an. Die polizeilichen Ermittlungen gestalten sich zunächst als schwierig, da weder Anna’s Freunde noch deren Familie sich erklären können, was es mit deren plötzlichen Verschwinden auf sich hat. 
Erst als das Segelboot der Klimaaktivistin gefunden wird auf dem Anna lebt, erhält der Fall eine dramatische Wendung. 
An Bord entdecken die Ermittler neben verwischten Blutspuren auch zahlreiche mysteriöse Tabletten sowie einen ominösen Tracker. Für Lennart Ipsen und seinem Team steht damit fest, dass die Frau einem Verbrechen zum Opfer fiel. 
Schon bald geraten die ersten Personen ins Visier der Ermittler. 
Hatte Anna sich mit ihren Protesten gegen den Energiekonzern AirPower Bornholm mächtige Feinde geschaffen oder versuchte ein Inselbewohner die junge Frau mundtot zu machen? 
Wo ist Anna und wer steckt hinter ihrem mysteriösen Verschwinden?
 
Eigene Meinung: 
Mit seinem Roman „Sturm über Christiansø“ veröffentlicht Michael Kobr bereits seinen vierten Band der Bornholm-Krimireihe, der am 10. Juni erschienen ist. Obwohl ich die vorherigen Bände nicht gelesen habe, hatte ich keine Schwierigkeiten den Einstieg in die Geschichte zu finden. Der Autor versteht es sehr gut, wichtige Informationen über die Figuren geschickt in die Handlung einzubauen, ohne dabei langatmig zu werden oder Stammleser mit Wiederholungen zu langweilen. Nichtsdestotrotz wrüde ich Neueinsteigern empfehlen, die Reihe von Beginn an zu lesen. Die Figuren sind vielschichtig ausgearbeitet und besitzen einen hohen Wiedererkennungswert. Auch das Setting wurde toll in Szene gesetzt. Die etwas abgeschiedene Lage mitten in der Ostsee sorgt für eine besondere Atmosphäre und verstärkt das Gefühl von Spannung, da es auf solchen Inseln kaum ein Entkommen gibt, weder für Täter noch für Opfer. 
Auch das Thema von Kobr ist brandaktuell: Die Diskussion um erneuerbare Energien die oft mit den Interessen von Naturschützern kollidieren. Dadurch wirkt die Handlung sehr realistisch und greifbar. Man hat beim Lesen oft das Gefühl, dass sich ein ähnlicher Fall tatsächlich so ereignen könnte.
Kobr beweist ein gutes Gespür für Dramaturgie. Einerseits steht der Kriminalfall im Fokus und hält bis zum Schluss die Spannung aufrecht, anderereseits nimmt er sich ausreichend Zeit für die zwischenmenschlichen Momente. 
Fazit: Für Krimifans ist das Buch eine klare Kaufempfehlung: aktuelle Themen, ein starkes Ermittlerteam und eine atmosphärische Kulisse gehen perfekt ineinander über.
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

Sonntag, 21. Juni 2026

Buchrezension: DER TOD FUHR MIT - Authentische Kriminalfälle aus dem Osten der 1990er-Jahre von Bernd Kaufholz und Hendrik Weber

DER TOD FUHR MIT -
Authentische Kriminalfälle aus dem Osten der 1990er-Jahre

Infos zum Buch:
unbezahlte Werbung / Rezensionsexemplar
Verlag: mitteldeutscherverlag
Titel: DER TOD FUHR MIT - 
Authentische Kriminalfälle aus dem Osten der 1990er Jahre
Autoren: Bernd Kaufholz und Hendrik Weber
Erscheinungsjahr: März 2026 
Seitenzahl: 252 Seiten 
Kapitelzahl:10 Kapitel
ISBN: 978-3-68948-060-8
Cover: broschierte Ausgabe
Preis: 20,00 Euro 
Quellenangabe / Interesse geweckt? Hier geht's zum Verlag
 
Klappentext:
Die frühen 1990er: Chaos, Umbruch, neue Freiheit – und neue Formen des Verbrechens. In seinem aktuellen Band erzählt True-Crime-Autor Bernd Kaufholz, gemeinsam mit Staatsanwalt a. D. Hendrik Weber, zehn spektakuläre Fälle aus Halle und Umgebung. Zwischen Bordell- und Taximorden und dem berüchtigten „Kannibalen vom Mansfelder Land“ zeigt der Band, wie die Wendejahre auch die Kriminalität neu formten - mit organisierten Strukturen, brutalen Gewalttaten und zögernden Zeugen: Mit sachlicher Präzision, journalistischem Blick und Feingefühl entsteht ein zeitgeschichtliches Panorama des Verbrechens nach der Wende: erschütternd, spannend und authentisch bis ins Detail.
 
Inhaltsangabe:
Wir schreiben das Jahr 1994: Eigentlich sollte es ein entspannter Tag werden, als Großeltern am 2. September gemeinsam mit ihrem Enkel im brandenburgischen Havelland an einer Kieferschonung nach Pilzen suchen. Doch der Ausflug nimmt eine schreckliche Wendung als der 49-jährige Großvater in einer Böschung einen grausamen Fund macht. Vor ihm liegt eine zum Teil skelettierte Leiche in Seitenlage, der Kopf 20 cm vom Halsansatz entfernt daneben. Auffällig sind zudem die verschnürten Arme sowie die Fesselungen an Beinen und Hüfte. Wer der Tote ist, weiß niemand. Lediglich ein Gips am Unterarm könnte der Polizei einen ersten Anhaltspunkt liefern. 
Umgehend werden die Ermittlungen aufgenommen. Mithilfe der örtlichen Tageszeitung gelingt es schließlich die Identität des Opfers zu klären. Es handelt sich um den 37-jährigen Detlef Darß. Stets knapp bei Kasse versuchte er durch verschiedene Projekte endlich beruflich Fuß zu fassen, doch der gewünschte Erfolg blieb aus. 
Später muss sich sein Weg mit seinem Mörder gekreuzt haben. Den genauen Tathergang müssen Ermittler mühsam rekonstruieren. Erst nach mehr als einem halben Jahr führt eine heiße Spur schließlich zum Täter. 
Dasselbe Jahr, ein neuer Fall versetzt die Polizei in Alarmbereitschaft. Am 14. August 1994 wird die 12-jährige Jana aus dem tschechischen Vojkovice an einem See bei Pilsen tot aufgefunden. Der grausame Fund war besonders schockierend, da die Heranwachsende mit starken Kopfverletzungen nicht nur unbekleidet war, sondern zudem an ihrem linken Unterarm ein ca. 12cm breites Stück Gewebe fehlte. Außerdem kommen die Ermittler zu dem Verdacht, dass Blut aus der Wundstelle gesaugt wurde. Alle Spuren führen zu Ralf H., der von der Presse als „Der Vampir vom süßen See“ oder „Der Kannibale vom Mansfelder Land“ bezeichnet wird. Der 28-jährige gilt als Psychopath und leidet nach Einschätzung von Experten an Mysophilie. Im späteren Verlauf der Aufklärungsarbeit werden zudem weitere paraphile Störungen bei ihm diagnostiziert, die selbst erfahrene Ermittler erschüttern.
Nur wenige Jahre später ereignet sich ein weiterer tragischer Fall. Im Juli 1997 arbeitet Klaus M. hauptberuflich bei der Deutschen Bahn. Um sein Einkommen aufzubessern, jobbt er nebenbei als Aushilfe für das Unternehmen „Löwen-Taxi“. Als er eines abends einen Fahrgast mitnimmt, ahnt Klaus M. nicht, dass der Fremde später sein Mörder sein wird. Die Ermittler gehen von einem Raubmord aus. Doch diesen Mörder zu überführen, erweist sich zunächst schwieriger als gedacht. Dieser ungewöhnliche Fall zeigt, dass trotz sorgfältiger Polizeiarbeit manchmal auch ein Quäntchen Glück nicht fehlen darf… 
 
Eigene Meinung:
Mit dem Buch „Der Tod fuhr mit“ haben der Reporter Bernd Kaufholz und der ehemalige Staatsanwalt Hendrik Weber zehn spannende Kriminalfälle aus Halle und Umgebung aufgearbeitet, die sich in den frühen 1990er-Jahren ereignet haben. 
Die im Buch geschilderten Fälle beruhen alle auf wahren Begebenheiten. Lediglich die Namen einiger Personen wurden zum Schutz ihrer Privatsphäre abgeändert und zwischenmenschliche Dialoge unterliegen teilweise der schriftstellerischen Freiheit. Dennoch tragen sie dazu bei, dass die Geschehnisse für den Leser besser nachvollziehbar sind und zeigen auf, wie sich die Ereignisse am Tat-Tag abgespielt haben könnten. 
Die politische Wende brachte nicht nur für die Bevölkerung tiefgreifende Veränderungen mit sich, sondern stellte auch die Polizei und Justiz vor neue Herausforderungen, denn neue Aufgabenbereiche kamen hinzu. Während Zeugenaussagen in der DDR oftmals als die „Beweise der Krone“ galten, gewannen nun zunehmend kriminaltechnische und sachliche Beweismittel an Bedeutung. 
Durch die vielen im Buch enthaltenen Schwarz-Weiß-Fotografien die entweder den Tatort, einzelne Beweisstücke oder sogar Teile aus den Ermittlungsakten darstellen, bekommt man einen guten Eindruck, wie aufwendig echte Ermittlungsarbeit ist.
Bis heute übt True Crime auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Wahre Kriminalfälle zeigen nicht nur die Abgründe menschlichen Handelns, sondern geben auch Einblicke in die oft mühsame Arbeit von Ermittlern, Staatsanwälten und Gerichten. Dazu gehören auch spektakuläre Verbrechen wie die Tötung von Detlef Darß, der Fall der zwölfjährigen Jana oder der Raubmord an dem Taxifahrer Klaus M. - Fälle, die auf unterschiedliche Weise bis heute in Erinnerung geblieben sind.
Fazit: Ein Buch das eindringlich zeigt, wie eng wahre Verbrechen, menschliche Abgründe sowie die Ermittlungsarbeiten der Behörden nach der Wende miteinander verbunden sind.
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen  
Quelle: Buch Abb. S. 11 / S. 108-109