Sonntag, 21. Februar 2021

Buchrezension: DIE GOLDENE ANANAS von Dennis Kornblum

DIE GOLDENE ANANAS

Infos zum Buch:
unbezahlte Werbung / Rezensionsexemplar
Verlag: Tredition Verlag
Titel: Die goldene Ananas
Autor: Dennis Kornblum
Erscheinungsjahr: 08. Dezember 2020
Seitenzahl: 580 Seiten
Kapitelzahl: 16 Kapitel
ISBN: 978-3-347-12210-9
Cover: broschierte Ausgabe
Preis: 17,99 Euro
Quellenangabe / Interesse geweckt? *Hier geht's zum Verlag*
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Klappentext:

DIE GOLDENE ANANAS

Elias lebt seit fünfeinhalb Jahren in Wohnheimen für psychisch Kranke. 
Er hat die Diagnose Asperger-Syndrom, und Veränderungen in seinem Leben steht er überaus ängstlich und grundsätzlich ablehnend gegenüber. Daher erfüllt es ihn eher mit Widerwillen, dass er jetzt in eine eigene Wohnung ziehen soll, in das Dachgeschoss eines Fünfparteienhauses. 
Anfänglich geht es ihm hier nur darum, in Ruhe sein hohes Stundenpensum Technikübungen an seiner E-Gitarre durchzuziehen und möglichst viele Death-Metal-Alben zu hören. Als jedoch nach und nach die übrigen Hausbewohner auf ihn aufmerksam werden, kommt er immer mehr in sozialen Kontakt. 
Und plötzlich steht er vor ganz neuen Herausforderungen. 

Inhaltsangabe:
An einem sonnigen Tag Anfang Juni zieht der 26-jährige, blondhaarige Elias Bach in eine kleine Dachgeschosswohnung in den Taubenweg 8. Zuvor lebte der junge Mann fünfeinhalb Jahre in Wohnheimen für psychisch Kranke. Elias ist fest an seinen Tagesablauf gebunden und verspürt starke Unruhe und Hektik, wenn dieser unterbrochen wird und Unvorhergesehenes auf ihn zukommt. Seine tägliche Routine besteht darin, dass der am Asperger Syndrom erkrankte Mittzwanziger täglich um 11:12 Uhr aufsteht, frühstückt und anschließend sechs Stunden lang auf seiner E-Gitarre spielt. Sein Abendprogramm gestaltet Elias ebenfalls nach einem festen Schema- sein Essen zubereiten, mehrere Filme ansehen und um drei Uhr morgens ins Bett zu gehen.
Nachdem die betreute Einrichtung Elias die Dachgeschosswohnung in einem Fünfparteienhaus zugeteilt hat, ist der junge Mann mit dieser neuen Situation komplett überfordert. Durch den Wohnungswechsel hat sich für Elias nicht nur sein komplettes Umfeld geändert, sondern er wird auch noch mit völlig fremden Menschen konfrontiert. Nach seinem Einzug lernt er nach und nach die anderen Hausbewohner kennen. Frau Kinateder, die Mieterin unter ihm klingelt spontan an Elias Wohnungstür um sich ihm vorzustellen. Obwohl dieser unangemeldete Besuch seinen strukturierten Tagesablauf durcheinanderbringt, denkt er noch lange an dieses freundliche Gespräch zurück. Nach Schilderung seiner Lebenssituation und seinen Hobbys rät ihm die ältere Dame, sein Talent mit der E-Gitarre doch der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Durch einen Stromausfall, der nur Elias‘ Wohnung betrifft und er somit nicht wie gewohnt zu dieser Uhrzeit seinen Kaffee kochen kann, ist er der Verzweiflung nahe. In seiner Not bittet er Willi, einen weiteren Hausbewohner um Hilfe. Dieser nimmt sich dem jungen Autisten an und die beiden kommen dabei ins Gespräch. Elias findet sogar den Mut, Willi auf seiner E-Gitarre etwas vorzuspielen. Der ältere Familienvater ist von der Fingerfertigkeit und dem E-Gitarrenspiel so beeindruckt, dass dieser Elias ermutigt seinen Bruder -der ebenfalls Gitarrist in einer Band ist- zu kontaktieren. Willi weist ihn darauf hin, dass er mit 26 Jahren genau das richtige Alter hat um ins Musikbusiness einzusteigen. Er findet es schade, dass Elias sein Talent nur in seinen eigenen vier Wänden ausübt und damit die goldene Annans erwirbt, einen Preis, der nur für ihn bestimmt ist, da sonst keiner weiß wie gut der Mittzwanziger wirklich spielt.
Gelingt es Elias aus seiner Comfortzone auszubrechen, Willis Bruder zu kontaktieren und so den großen Durchbruch als Musiker zu schaffen?

Zitat: Buch S. 105:
"Du übst jeden Tag stundenlang, nur alleine in deinem Kämmerlein. Stattdessen könntest du eigentlich arbeiten und Geld verdienen oder mit Kumpels chillen, rausgehen, was erleben, was weiß ich. Du investierst da eine Mörderzeit rein, und alles nur für die goldene Ananas.“

Eigene Meinung:
Im Dezember 2020 veröffentlichte Dennis Kornblum seinen ersten Roman „Die goldene Ananas“. Mit seinem Debüt verarbeitet der Newcomer literarisch nicht nur sämtliche Probleme und Schwierigkeiten die den sozialen Kontakt betreffen, sondern auch wie sich ein vom Asperger Syndrom-Betroffener diversen Alltagssituationen stellen muss. Im Jahr 2007 wurde bei Kornblum selbst das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Daher gibt dieser Roman einen unverhüllten Einblick in die Welt eines Betroffenen und führt dem Leser auf jeder Seite des Buches vor Augen, wie ein Autist denkt, fühlt, handelt und sich damit einem genau strukturierten Tagesablauf unterwirft, der kaum Abweichungen zulässt.
Zu Beginn des Buches habe ich es als ungewöhnlich empfunden, dass sämtliche Protagonisten bis ins Detail vom Autor beschrieben wurden, jedoch diese erwähnten Einzelheiten im Laufe der Handlung keine allzu große Rolle gespielt haben. Genau diese Schreibweise sorgt für die Authentizität die das Buch so besonders macht. Nur ein Autor, der von diesem Krankheitsbild selbst betroffen ist, kann das Geschehen mit all seinen Gedanken und Empfindungen so realitätsgetreu niederschreiben. 
Je länger man sich mit Elias und dem Verlauf der Geschichte befasst, desto deutlicher wird es, dass Kornblum die Position des 26-jährigen Protagonisten einnimmt und so über seine eigenen Schwierigkeiten und Erfahrungen schreibt. Immer wieder spürt der Leser welche große Überwindung es Elias kostet mit Fremden in Kontakt zu treten und aus seiner eigenen Comfortzone auszubrechen. Meiner Meinung nach ist es dem Autor sehr gut gelungen im Rahmen dieses Romans seine eigenen Eindrücke und Unsicherheiten allen Nichtbetroffenen näherzubringen. 
Ich finde, dass Kornblum mit „Die goldene Ananas“ nicht nur einen interessanten und ungewöhnlichen Roman verfasst hat in dem er sein Leben darin verarbeitet, sondern gleichzeitig Aufklärungsarbeit leistet und die Weichen für ein besseres Verständnis für Menschen mit Autismus stellt.
Fazit: Ein besonderes Buch mit teils autobiographischen Elementen, welches neben einer interessanten Story auch Aufklärungsarbeit über das Asperger Syndrom leistet.
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

Anmerkung:
Ich habe mit dem Autor noch ein kurzes Interview geführt bei dem er uns einen kleinen Einblick über sein schriftstellerisches Schaffen und seine Gedanken gewährt. 
Seine Antworten kannst Du Dir ansehen, wenn Du auf "Weiterlesen" drückst. Es lohnt sich!


Autoreninterview mit Dennis Kornblum:


1. Frage: Herr Kornblum, zuerst möchte ich Ihnen zu Ihrem Debüt gratulieren. Wie fühlten Sie sich, als Sie zum ersten Mal die gedruckte Ausgabe Ihres Romans in den Händen hielten?
Antwort: Das war schon ein gutes, aber nicht unbedingt überwältigendes Gefühl. Denn mir war von vornherein klar, dass dies nur der erste Schritt bei der Veröffentlichung ist, den jeden Tag Hunderte von anderen Autoren machen, da er heutzutage sehr leicht zu vollziehen ist. Wichtig ist, was später die Leser zu dem sagen, was zwischen den Buchdeckeln steht, und ob es überhaupt Leser gibt und wie viele.

2. Frage: Wie lange haben Sie an „Die goldene Ananas“ gearbeitet- von der Grundidee, bis zum fertigen Buch?
Antwort: Also von der Grundidee bis zum Druck sind insgesamt eindreiviertel Jahre vergangen. Am Entwurf habe ich von Mai 2019 bis Januar 2020 geschrieben, das waren so siebeneinhalb Monate, dann kamen die Überarbeitung, Testleser, Lektorat und so weiter.

3. Frage: Wie kamen Sie auf die Idee Autor zu werden? Hat sie jemand dazu inspiriert?
Antwort: Ich habe schon in meiner Kindheit und Jugend viel geschrieben. Mit 7, als ich gerade ein wenig schreiben konnte, habe ich Dutzende von DIN A5-Schreibheften vollgekritzelt. Während der Oberstufe habe ich einen Roman geschrieben, den ich allerdings nicht veröffentlicht habe. Danach habe ich mich jahrzehntelang mit anderen Dingen beschäftigt, bevor meine Freundin vor etwa zwei Jahren (zu dem Zeitpunkt waren wir ein halbes Jahr zusammen) auf die Idee kam, dass ich doch mal wieder ein Buch schreiben könnte, wo ich doch nun fast zwanzig Jahre mehr Lebenserfahrung hätte. Der Gedanke hat mir irgendwie gefallen und schließlich dachte ich, so was könnte ich ja mal wieder angehen.

4. Frage: Das Buch trägt folgenden Slogan: Präziser, authentischer Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt eines Betroffenen des „Autismus light“. 
Gab es für Sie Herausforderungen denen Sie sich beim Schreiben stellen mussten, oder flogen die Seiten nur so dahin? 
Antwort: Also teils, teils würde ich sagen. Ich bin schon immer ein Vielschreiber gewesen, schon in der Schule in Klausuren habe ich immer etwa doppelt so viel geschrieben wie die anderen, das heißt, wenn ich mal richtig drin bin, fliegen die Seiten auch schon mal wirklich nur so dahin. Allerdings hatte ich bei diesem Projekt auch einen starken Anspruch an mich selbst, die Dinge möglichst (wie der Slogan schon sagt) authentisch, also das heißt auch: realistisch darzustellen, und daher musste ich teilweise viel über bestimmte Aspekte nachdenken, bevor ich mich zum Schreiben hinsetzte. Es gab auch immer wieder Momente, wo der Schreibfluss stark gehemmt war und ich nur ganz langsam vorankam, bzw. dann irgendwie auch schonmal an zwei Sätzen eine halbe Stunde rumgefeilt habe, bevor es weitergehen konnte.

5. Frage: Wie würden Sie die Hauptperson Elias Bach beschreiben. Welche Charaktereigenschaften treffen auf den Protagonisten am meisten zu?
Antwort: Also ich würde sagen, dass er sehr gewissenhaft ist, vorsichtig bis hin zu ängstlich, schüchtern im sozialen Kontakt, vor allem bei jungen Frauen, und außerdem ehrlich und sehr, sehr genau. Bei aller Zurückhaltung und Schüchternheit hat er aber auch einen gewissen Stolz, es entsteht ein innerer Widerstand, wenn er mit irgendeinem Verhalten oder den Worten eines anderen nicht einverstanden ist. Er hat einen starken Sinn für Fairness und Gerechtigkeit, wobei seine Sicht sich da mitunter von den anderen Menschen deutlich unterscheiden kann.

6. Frage: Sie selbst sind vom Asperger-Syndrom betroffen. Gibt es zwischen Ihnen und dem Protagonisten Elias Parallelen? 
Antwort: Was Elias‘ Empfindungen und Gedanken angeht, habe ich mich tatsächlich sehr stark an mir selbst orientiert, weil ich mir dachte, dass das diese Figur authentischer macht. Auch biografisch gibt es einige Parallelen zwischen mir und Elias, allerdings bin ich erst wesentlich später in eine eigene Wohnung gezogen und habe niemals in einem Tierheim gejobbt. Was die Spezialinteressen angeht, lässt sich sagen, dass ich selbst einmal intensiv das Spielen von E-Gitarre geübt habe, selbst gerne Death Metal höre und mich eine Zeitlang intensiv mit Krafttraining beschäftigt habe. Allerdings habe ich spieltechnisch dann doch nicht Elias‘ Niveau an der Gitarre erreicht, und das Fitnessthema spielt eher eine untergeordnete Rolle in dem Roman. Babygesittet habe ich übrigens noch nie in meinem Leben, auch noch keinen näheren Kontakt zu Kindern gehabt. Katzen liebe ich allerdings genauso wie der Protagonist

7. Frage: Die beschriebenen Hausbewohner des Fünfparteienhauses sind jeweils eigene Persönlichkeiten, die Elias in irgendeiner Art und Weise positiv beeinflusst haben. Sind die von Ihnen beschriebenen Figuren alle frei erfunden oder gibt es tatsächlich Personen in ihrem Leben die sie damit identifizieren?
Antwort: Also die Person Willi Schroth, die ja im Roman eine sehr große Rolle spielt, ist tatsächlich (auch mit dessen Einverständnis) stark angelehnt an einen guten Freund von mir, der eine Zeitlang mal einen großen Einfluss auf mich hatte und mit dem ich viel Zeit verbracht, viele Gespräche geführt habe. Die Eckdaten (Aussehen, familiäre und berufliche Situation) habe ich allerdings abgeändert, auch wie wir uns begegnet sind und so etwas. Ich habe mir aber tatsächlich, als ich die Dialoge schrieb, immer überlegt: Wie würde mein Freund das jetzt meiner Erfahrung nach sagen, wie würde er es formulieren? Auch hier ging es mir um eine höhere Authentizität. Außerdem sind noch andere Figuren leicht an real existierende Personen angelehnt, wobei ich da sehr darauf geachtet habe, sie genügend zu entfremden. Manche Charaktere sind aber auch völlig frei erfunden, wie zum Beispiel Herr Ingelheim und Frau Kinateder.

8. Frage: Können Sie sich vorstellen ein weiteres Buch zu schreiben oder arbeiten Sie sogar schon am nächsten Projekt?
Antwort: Ja, ich will auf jeden Fall weiterschreiben, vor etwa anderthalb Jahren ist die Schriftstellerei zu meinem Hauptinteresse avanciert. Ich habe bereits den Entwurf zu einem zweiten Roman fertig, den ich vor kurzem Testlesern gegeben habe. Und zwar wage ich mich hier auf ein neues Terrain, der Roman ist eher im Thriller-Genre anzusiedeln; der Protagonist ist allerdings wieder jemand mit Asperger-Syndrom. Insgesamt ist der autobiografische Anteil im neuen Roman aber deutlich geringer, der überwiegende Teil ist völlig frei erfunden. Was, um einen Spannungsroman zu schreiben, natürlich auch notwendig ist, denn das Leben der meisten Menschen bietet nicht genügend Stoff für einen Thriller, und meines schon gar nicht.

Ich bedanke mich an dieser Stelle beim Autor für das Interview und die freundlich geführten Gespräche .

Kommentare:

  1. Hallo liebe Andrea,


    was für ein schwieriges Thema...Autismus hier mit der Variante...Asperger-Syndrom...

    Kein leichter Umgang kann ich da aus eigener Erfahrung sagen..

    Verfilmt wurde das Thema ja auch schon mal " Rain Man" 1988 mit Dustin Hoffmann und Tom Cruise.
    Guter Film, der etwas Einblick verschafft.....

    LG...Karin..

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  2. Liebe Andrea,

    deine Rezension liest sich wunderbar, nun glaube ich , das Buch zu kennen. Wie schön, wenn dich das Buch so begeistern konnte.

    Für mich ist es wohl eher nicht mein Wunschbuch, obwohl ich mir vorstellen kann, dass man Elias und sein Verhalten gut erklärt bekommt.

    Liebe Grüße und eine schöne Woche,
    Barbara

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  3. Ich habe vor Jahren mal eine Reportage darüber gesehen.
    Von daher denke ich das nicht mein Thema ist, aber für Betroffene
    Freunde & Familien lesenswert.
    LG Heidi

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